IT-Forscher enttarnen Internetsurfer

Tuesday, February 2. 2010
Anonym surfen im Web? Das war einmal. IT-Forschern ist es nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen gelungen, Internetsurfer mit einem einfachen Trick namentlich zu identifizieren. Von der Sicherheitslücke sind Millionen Teilnehmer sozialer Netzwerke betroffen - es droht ein Datenschutz-GAU.

Es ist ein Horrorszenario für Datenschützer, was Thorsten Holz, Gilbert Wondracek, Engin Kirda und Christopher Kruegel in ihrem 15-seitigen Aufsatz beschreiben (PDF-Datei hier, 803 KB): Die Experten vom Isec-Forschungslabor für IT-Sicherheit, einer Kooperation der Technischen Universität Wien, dem Institute Eurécom und der University of California, dokumentieren einen technisch eher simplen Angriff, der eine seit zehn Jahren bekannte Sicherheitslücke ausnutzt. Betroffen sind alle Mitglieder von sozialen Netzwerken, die sich Netzwerk-Gruppen angeschlossen haben.
Was viele Menschen nicht wissen: Die jeweiligen Gruppenmitgliedschaften ergeben ein einzigartiges Profil, das Angreifer wie einen Fingerabdruck aus dem Browser ablesen können: “In einem sozialen Netzwerk gibt es eben nur sehr wenige Menschen, die in denselben Gruppen eingetragen sind”, erklären Holz und Wondracek im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. “Bei Xing sind 1,8 Millionen Mitglieder in etwa 6500 öffentlichen Gruppen organisiert. Über 750.000 davon haben eine einzigartige Gruppenkonstellation, einen eindeutigen Fingerabdruck.”

Wenn eine präparierte Website ihren Besuchern diesen Fingerabdruck abnehmen und mit einer Kartei aller Nutzer eines Netzwerks vergleichen kann, ist der anonyme Websurfer enttarnt.

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China und die Kunst des Wirtschaftskrieges

Monday, January 25. 2010
Mithin drängt sich der Eindruck auf, als ob man sich in Peking noch immer von den alten chinesischen Militärklassikern inspirieren ließe. Jene Werke von Tai Kung, Wei Liao Tzu und Sun Tzu, die vor hunderten von Jahren geschrieben wurden, bestechen dadurch, dass sie den Gegner eher durch Flexibilität, Schnelligkeit, Agententätigkeit und einem Minimum an offenem Kampf zu besiegen trachten. Statt sich durch ein großes Militäraufgebot wie das der USA beispielsweise in Afghanistan zu binden, nutzt China seine Beweglichkeit, und macht damit aus der Schwäche eine Tugend. [...]

Chinas Antwort ist, dass es den USA die offenen, blutigen Konflikte überlässt; es selber verlagert sich auf die wirtschaftliche Kriegsführung in deren Windschatten. Dabei nutzt es aus, dass sich die USA mit ihrem globalen „Krieg gegen den Terror“ allseits unbeliebt machen. Im Fokus der chinesischen Handlungen steht die Strategie, sich vor allem dort gut Freund zu machen, wo es um Öl geht. Da der amerikanischen „Krieg gegen den Terror“ im Großen und Ganzen ein Öl-Krieg ist – oder jedenfalls dort stattfindet, wo das Öl nicht weit zu suchen werden braucht –, fällt beides für die Chinesen derzeit ideal in Eins. [...]

Bloomberg: “Das Land sei bestrebt, die Ölversorgung zu diversifizieren. Zugang zu Vorkommen im Nahen Osten und in Afrika werden ohne Zweifel die Energiesicherheit verbessern, sagte Jiang Xinmin, Energieexperte bei der Nationalen Kommission für Planung und Entwicklung, der obersten Planungsbehörde in Peking.” Darüber unterschreibt China langfristige Verträge im Iran, wie beispielsweise durch die China National Petroleum Company, die für 5 Milliarden US-Dollar Förderrechte im South Pars-Erdgasfeld erwarb. [...]

Michael Wines stellt für die New York Times diesbezüglich fest: “While the United States spends hundreds of billions of dollars fighting the Taliban and Al Qaeda here, China is securing raw material for its voracious economy. The world’s superpower is focused on security. Its fastest rising competitor concentrates on commerce.” [...]
Bill Murphy, Vorsitzender des Gold Anti-Trust Action Committee, schätzte das chinesische Engagement auf dem Goldmarkt wie folgt ein, als er von MMNews dazu befragt wurde: “According to my sources, China will be in the market for years to come and will be buying in size and as quietly as possible.” [...]

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In China bahnt sich ein gewaltiger Crash an

Friday, January 22. 2010
Die Chinesen prahlen mit ihrem Wirtschaftswachstum, Funktionäre erklären die Finanzkrise für beendet. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass China den Höhepunkt einer Spekulationsmanie erreicht hat – und eine Bruchlandung erlebt. Falls das passiert, wird das Riesenreich den Rest der Welt mit nach unten reißen. [...]

Wie Dubai vor zwei Jahren, erreicht China heute den Höhepunkt einer Spekulationsmanie. Auf den ersten Blick gibt es nicht viel, das einen winzigen Stadtstaat mit einem Reich von der Größe eines Kontinents verbindet. Doch beide leiden unter derselben Über-Dehnung.

Das auf Exporten basierende Wirtschaftsmodell Chinas zeitigte in der Ära nach dem Ende des Kalten Krieges ein spektakuläres Wachstum. Es war die Ära der nicht enden wollenden Globalisierung und der ökonomischen Entwicklung. Jetzt aber stagniert der Welthandel, nachdem er vergangenes Jahr abgestürzt ist. Die chinesischen Ausfuhren sind 2009 um 16 Prozent eingebrochen, und es besteht wenig Aussicht, dass sich der Export dieses Jahr nachhaltig erholt. [...]

Chinas Spitzenfunktionäre, die an den Schalthebeln einer staatlich gelenkten Wirtschaft sitzen, waren für ihre Fähigkeit bekannt, Probleme zu vertagen. Aber die Probleme, vor denen sie stehen, sind mit der Zeit immer größer geworden. Der Grund dafür ist, dass die Regierung alles auf die Karte Wachstum gesetzt hat statt den Strukturwandel voranzubringen. Sobald diese Wachstumspolitik nicht mehr greift – und das wird bald der Fall sein – wird China zum nächsten Dubai werden. Nur viel größer.

Quelle: 2010 Global Viewpoint Network/Tribune Media Services
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Deutschlands Bevölkerung schrumpft in der EU am stärksten

Wednesday, January 20. 2010
17 Prozent der EU-Bevölkerung sind derzeit von Armut bedroht. Besonders betrifft das Kinder und Ältere. Aufgefächert nach Ländern ist das Bild uneinheitlich. Die meisten von Armut bedrohten Menschen gibt es in Lettland, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Spanien und Litauen, am wenigsten in Tschechien, den Niederlanden, der Slowakei, Dänemark, Österreich, Slowenien und Schweden.

Die Arbeitslosenrate liegt in der EU bei 9,5 Prozent, in der EU-Zone bei 10 Prozent. Die Niederlande und Österreich haben am wenigstens Arbeitslose, Lettland und Spanien mit 22 bzw. 19 Prozent am meisten. Noch liegt die Inflationsrate bei 0,9 Prozent, das kann sich aber schnell ändern. In Großbritannien ist sie gerade schon auf 2,9 Prozent gestiegen. Das wird das Leben nicht leichter machen und langfristig für Unruhe sorgen. [...]

Deutschland kann europaweit immerhin für einen Rekord sorgen. Die Zahl der Gebiete, in denen die Bevölkerung zwischen 2008 und 2030 schrumpfen wird, ist hier am höchsten. Während in vielen Ländern die Bevölkerung wachsen wird, geht man davon aus, dass sie in Deutschland als einzigem westeuropäischen Land neben Estland, Lettland, Litauen sowie in weiten Teilen von Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Polend und der Slowakei schrumpfen wird. Besonders stark ist mit 20 Prozent der bis 2030 erwartete Bevölkerungsschwund von 20 Prozent in Chemnitz, Sachsen-Anhalt, Dresden und Thüringen. Allerdings basieren die Zahlen nicht auf neusten Daten, vor allem stammen sie aus der Zeit vor der Finanzkrise. [...]

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Im Google-Wahn

Monday, January 18. 2010
Der Internetgigant kennt bald jeden unserer Schritte. Es ist Zeit, dass die demokratische Gesellschaft sich wehrt.

Wie lange braucht ein neues Thema, um in der Politik anzukommen? Offenbar deutlich länger, als es dauert, alle Leute mit Breitband-Internetanschlüssen zu versorgen. Die Welt hat in den vergangenen 15 Jahren eine informationstechnische Revolution erlebt – und Deutschland diskutierte über ein paar Verbotsschilder für kinderpornografische Internetseiten, als sei dies kriegsentscheidend für die Zukunft der vernetzten Gesellschaft. Nun kommt das internetfähige Google-Handy Nexus One auf den Markt. Wie mit nahezu jedem modernen Handy kann man auch mit diesem Fotos machen – nur hat das Nexus ein Programm, das diese Fotos per Internet gleich zu identifizieren vermag. Bald wird so jeder Fremde im Café erkennbar sein – wenn es irgendwo im Netz ein Bild von ihm gibt. Das stellt unseren Begriff von Privatsphäre radikal infrage. Doch von einer vorausschauenden politischen Debatte ist wieder nichts zu spüren.

Die aber wird dringend gebraucht. Es geht um Monopolansprüche auf die Ressourcen der Wissensgesellschaft. Es geht um Überwachung – durch Privatunternehmen und Mitbürger. Es geht um personalisierte Werbung, die den Kunden umzingelt. Und es geht um die Bereitschaft vieler Menschen, die Verantwortung für ihre Entscheidungen an Computerprogramme abzugeben.

Mit seiner genialen Suchmaschinenidee hat Google die Informationsbeschaffung revolutioniert. Das neue Handy trägt nun die Netzanbindung vom Schreibtisch hinaus in die Wirklichkeit: Wer will, kann künftig überall total online sein. Das Bilderkennungsprogramm mit dem Namen Goggles erläutert dem Nutzer historische Bauwerke, das Handy findet den Weg zum Bahnhof und sucht das netteste Restaurant in der Nähe aus. Goggles kann bereits heute Gesichter erkennen [...]

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Ein Klecks im Vergleich zu den Kriegsausgaben

Friday, January 15. 2010
Die Welt kann, wenn sie will, selbst in Zeiten der Finanzkrise. Sie kann eine vereinte Rettungsaktion starten, zumindest versucht sie es. Geld spielt plötzlich keine Rolle mehr. Fast keine. Die ganz großen Nummern der Weltpolitik sind nach wie vor unendlich viel teurer:

Der Krieg im Irak kostet im Monat noch immer ungefähr zwölf Milliarden Dollar, der Krieg in Afghanistan 3,5 Milliarden.

Daran erinnerte erst vor kurzem der Chef der UN-Mission in Haiti, der Tunesier Hédi Annabi, der nun in den Trümmern seines Büros starb. Die Kriegsausgaben für einen einzigen Monat würden genügen, um Haiti nachhaltig zu helfen, hatte er gesagt - und um mehr Sponsoren, Spender und Investoren geworben. [...]

Barack Obama verspricht [...für Haiti...] 100 Millionen Dollar.

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Haiti: Eigennützige Hilfe

Friday, January 15. 2010
Hinter der Solidarität mit Haiti steckt auch regionaler Machtpoker: Die USA, Venezuela und Brasilien kämpfen hart um die Führung in Lateinamerika. [...]

Haiti ist bis heute ein überaus korrupter Beutestaat, in dem sich rivalisierende Clans um Macht und Pfründe reißen. Die Entwicklungshilfe ist eine davon. Das Beben hat nun die letzten Reste des Staatsapparats zerstört und das Land vollständig abhängig gemacht von ausländischer Hilfe. Das wissen auch die Nachbarländer, allen voran die USA. Die Katastrophenhilfe genieße absolute Priorität für seine Regierung, verkündete Präsident Barack Obama. [...]

Die USA haben ein geostrategisches Interesse an Haiti. Das Land befindet sich knapp tausend Kilometer von Miami entfernt, rund eine Million Haitianer leben in den USA. Der völlige politische und ökonomische Kollaps und die Bebenkatastrophe könnten eine neue gewaltige Flüchtlingswelle auslösen, sorgt sich die Regierung in Washington, die im eigenen Land noch mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu kämpfen hat.

Außerdem ist Haiti ein Drehkreuz für den Drogenschmuggel – und ein weiteres Puzzlestück im regionalen Machtpoker um den Einfluss in Lateinamerika. Auch der Gegner hat bereits Zeichen gesetzt: Das erste Flugzeug, das nach der Katastrophe in Port-au-Prince landete, kam aus Venezuela. Der dortige Machthaber Hugo Chavez, Obamas linker Rivale, will die Nase vorn haben im bizarren Wettlauf um die Solidarität. [...]

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Jemen: Tummelplatz für Al Qaida oder geopolitischer Engpass für Eurasien?

Tuesday, January 12. 2010
Die Weltöffentlichkeit wird auf ein neues Ziel für den »Krieg gegen den Terror« der USA vorbereitet: Jemen, ein trostloser Staat auf der arabischen Halbinsel. Sieht man sich jedoch den Hintergrund etwas genauer an, dann scheint es, als verfolgten das Pentagon und der US-Geheimdienst im Jemen ganz andere Pläne. [...]

Der 23-jährige Nigerianer Abdulmutallab, dem der vereitelte Bombenanschlag zur Last gelegt wird, hat angeblich erzählt, er sei von der »al Qaida auf der Arabischen Halbinsel« (AQAP) im Jemen auf seine Mission vorbereitet worden. Dementsprechend richtet sich nun die Aufmerksamkeit der Welt auf den Jemen als neues Zentrum der angeblichen Terrororganisation al Qaida. [...]

Während die Schlagzeilen in CNN von der neuen Bedrohung durch Terrorismus aus dem Jemen beherrscht werden, haben die Angriffe somalischer Piraten auf die Handelsschifffahrt im Golf von Aden und dem Arabischen Meer – also genau der Region südlich des Jemen – wie auf Kommando wieder drastisch zugenommen, nachdem sie durch die internationalen Patrouillen zunächst stark eingedämmt worden waren.
Der Jemen und Somalia sind die beiden Backen einer Zange, die die Ölversorgung für China und andere asiatische Länder abschneiden könnte. [...]

Die strategische Bedeutung des Seegebiets zwischen dem Jemen und Somalia ist auch aus geopolitischer Sicht erkennbar. Die Meerenge Bab el-Mandeb wird von der US-Regierung zu den sieben strategisch wichtigen Engpässen für den Öltransport gezählt. Nach Aussage der staatlichen amerikanischen Energy Information Agency »könnten Tanker nach einer Schließung von Bab el-Mandeb den Komplex Suezkanal/Sumed Pipeline nicht mehr erreichen und müssten den Umweg um die südliche Spitze von Afrika nehmen. Die Meerenge Bab el-Mandeb stellt einen Engpass zwischen dem Horn von Afrika und dem Nahen Osten und eine strategisch wichtige Verbindung zwischen dem Mittelmeer und dem Indischen Ozean dar.« [...]

Ein Vorwand für eine Militarisierung der Gewässer in der Umgebung von Bab el-Mandeb durch die USA oder die NATO brächte Washington seinem Ziel der Kontrolle über aller sieben großen Engpässe für den Öltransport auf der Welt ein gutes Stück näher. Dadurch könnten die USA in Zukunft China, die EU und jede andere Region oder jedes Land, das sich der amerikanischen Politik in den Weg stellt, von der Ölversorgung abschneiden.

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Warum Peak-Oil offiziell ignoriert wird

Friday, January 8. 2010
Trotz der seit mehr als zehn Jahren intensiv geführten Fachdiskussion über den Zeitpunkt der sinkenden Erdölförderung wird das Thema politisch verdrängt oder verschwiegen. [...]

Das hat Shane Mulligan von der University of Waterloo zu einer Analyse veranlasst, warum dieses Thema so weitgehend ignoriert wird. Angesichts der seit mehr als zehn Jahren intensiv geführten Fachdiskussion, könne die offizielle Ignoranz kaum mit purer Ahnungslosigkeit begründet werden. Das jedenfalls nicht in den höheren politischen Rängen, denn dafür sei die Peak-Oil-Debatte schon zu weit in den Mainstream vorgedrungen, meint Mulligan, der gerade an einem Buch über die Sicherheitsaspekte von Peak-Oil schreibt. Er vermutet daher, dass viele Regierungsexperten an übermäßigem Training in neoklassischer Ökonomie leiden und schlicht davon ausgehen, dass die Marktmechanismen schon für den Ausgleich sorgen, d.h. höhere Preise zu mehr Exploration und Förderung, sowie zur Entwicklung von Substituten führen werden.

Vielleicht grassiere aber auch einfach eine Art von “kognitiver Dissonanz”, welche die Administrationen weltweit davon abhalte, diesen potentiell so problematischen Bereich anzugehen, so wie viele Menschen auch nicht gerne über den eigenen Tod nachdenken. Viel lieber werde dann dem Glauben an technische Lösungen gehuldigt, die bei Bedarf schon gefunden würden. Zudem hätten Regierungen generell die Tendenz, schlechte Nachrichten zu unterdrücken. [...]

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Klimagipfel: China präsentiert sich als neue Weltmacht

Sunday, December 20. 2009
China ist eine uralte Macht und Chinesen kennen sich mit Herrschaftssymbolen aus. Aber selbst für einen Staat wie China war es eine ungewöhnliche Machtdemonstration. Ministerpräsident Wen Jiabao residierte in einem Hotel außerhalb des Konferenzzentrums.
Zweimal musste US-Präsident Barack Obama, der immer noch gern als der mächtigste Mann der Welt bezeichnet wird, am Freitag das Bella Center verlassen und bei Wen vorsprechen, um den Klimagipfel irgendwie zu retten. Beim zweiten Mal ließ Wen Obama sogar warten, nach Angaben aus internationalen Verhandlungskreisen über eine halbe Stunde. [...]

Je mächtiger sie wirtschaftlich wurden, umso mehr drängte der Westen China, sich auch für andere Themen mit verantwortlich zu fühlen. Auch Merkel versuchte in ihren Gesprächen mit Wen und Staatspräsident Hu Jintao immer wieder, Chinas Führung nicht nur beim Thema Klima von einer aktiveren Rolle zu überzeugen.
China hat das ernst genommen, aber nicht ganz so, wie sich das viele im Westen vorgestellt haben. Seit einigen Jahren nutzt China seine alten Kontakte zur rund 130 Staaten umfassenden Gruppe der G77, also der Entwicklungsländer, um weltweit Verbündete zu haben.

Viele afrikanische Staaten hängen inzwischen an chinesischer Entwicklungshilfe. Europäische Diplomaten sind überzeugt, dass die harten Interventionen Sudans gegen die dänische Leitung der Klimakonferenz von China gesteuert wurden. China macht jetzt das, was die USA und die Sowjetunion in den 60er, 70er und 80er Jahren betrieben haben - Vasallen um sich sammeln. Dabei ist China kein Entwicklungsland mehr. [...]

China ist seit Kopenhagen endgültig nicht nur Großmacht, sondern Weltmacht. Der Einfluss der restlichen Welt auf Weltmächte ist beschränkt, das haben die USA lange genug vorgemacht. Ausgerechnet jetzt, wo die USA unter Obama die multipolare Welt akzeptiert haben, tritt eine neue Weltmacht auf den Plan, die nach ihren eigenen Regeln spielen will. [...]

Gipfel-Analyse: Chimerica gegen den Rest der Welt

Thursday, December 17. 2009
China vs. USA: Das scheint das zentrale Duell auf dem Gipfel von Kopenhagen zu sein. Die Großmächte beschuldigen sich gegenseitig, zu wenig gegen den Klimakollaps zu unternehmen. Der Konflikt blockiert die Konferenz - und das kommt in Wahrheit beiden Staaten sehr gelegen. Bilden sie eine heimliche Achse? [...]

Wirtschaftlich gesehen sind China und die USA in den vergangenen Jahren weitgehend zu einem fast untrennbaren Bund verschmolzen. Der Historiker Niall Ferguson und der Berliner Ökonomen Moritz Schularick haben das Gebilde “Chimerica” genannt. Die Ökonomien der beiden Länder sind so verwoben, dass Nachteile für den einen auch Nachteile für den anderen sind.

China versorgt die USA mit billigen Produkten und mit unbegrenzten Krediten. Es ist nicht nur die Werkbank der USA, sondern auch die Bank der USA.
Die USA wiederum bieten China einen riesigen Absatzmarkt und versorgen sie mit Zinszahlungen. Hätte China nach der Finanzkrise den USA neue Kredite verwehrt, wären die USA im Chaos versunken.
Auch wenn Hunderttausende US-Jobs nach China abgewandert sind, haben die USA kein Interesse daran, dass der rasche ökonomische Aufstieg Chinas Schaden nimmt. Denn das würde die eigene Kreditpumpe gefährden.
Umgekehrt haben die Chinesen kein Interesse daran, dass die USA wirtschaftlich schwächeln - indem sie ihre CO2-Emissionen kurzfristig drosseln. [...]

China wie die USA befeuern ihre Volkswirtschaften zum allergrößten Teil mit Kohle und Öl. Die USA unterhalten ihre gigantische globale Militärinfrastruktur auch deshalb, um ihre Ölversorgung zu garantieren.

Bei aller grünen Rhetorik sowohl der chinesischen als auch der US-Führung bleiben fossile Brennstoffe die Grundlage des industriell-militärischen Machtanspruchs. Völkerrechtlich bindende Zusagen, ihren Verbrauch einzuschränken, schränken in dieser Logik auch den Machtradius ein. Die Interessen von Wüsten-, Insel- und Küstenstaaten, für die der Klimawandel eine akute Bedrohung ist, sind aus diesem Blickwinkel nachrangig.

Obwohl es an der Oberfläche anders aussieht, ist die eigentliche Konstellation auf dem Klimagipfel also womöglich nicht: China gegen die USA.
Sondern: Chimerica gegen den Rest der Welt.
Anders ausgedrückt: G2 gegen G190.

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Schwellenländer: Bettler, Börsenboom, Bollywood

Monday, December 14. 2009
Die Bevölkerung wächst schnell, die Wirtschaft noch schneller. Schwellenländer wie Indien haben sich in den 2000er Jahren dramatisch gewandelt: von Armenhäusern der Welt zu Motoren der globalen Ökonomie. Der Westen bekommt starke Handelspartner - und mächtige Rivalen. [...]

Indien setzt darauf, dass das bisherige Wachstum in den kommenden Jahrzehnten anhält. Ökonomen sind überzeugt, dass das Land bis 2050 zu den drei größten Volkswirtschaften der Welt gehören wird. Trotz Demokratiedefiziten, Korruption, überbordender Bürokratie, einem nach wie vor drastischen Wohlstandsgefälle und einer überproportionalen Abhängigkeit der Ökonomie von der Landwirtschaft - das Selbstbewusstsein der Inder ist heute enorm gestärkt. Es ist kein Gegensatz mehr, dass Neu-Delhi einerseits mit den USA ein Abkommen über die zivile Nutzung von Atomenergie abschließt und andererseits Waffen aus Russland bestellt. [...]

Indiens Aufstieg in diesem Jahrzehnt dürfte einzigartig sein. Doch auch andere Schwellenländer haben in den vergangenen zehn Jahren eine wichtigere Rolle bekommen. Ihre Bevölkerungen wachsen deutlich, im Gegensatz zu jenen der westlichen Staaten - zugleich liegt das Wirtschaftswachstum deutlich über dem der alten Industrieländer. China trägt inzwischen etwa sechs Prozent zur Weltwirtschaft bei, schon genauso viel wie Deutschland.
Die Ära der großen Mächte ist vorbei, pragmatische Bündnisse treten an ihre Stelle: G20 statt G8. Wer sich dieser Erkenntnis nicht fügt, verliert. [...]

Auch die Türkei, Indonesien, Südafrika, Mexiko, Brasilien, Argentinien und Saudi-Arabien beanspruchen eine neue, eine wichtigere Rolle. Die Türkei zum Beispiel verweist auf die Scharnierfunktion zwischen Europa und Asien, Indonesien auf seinen Status als bevölkerungsreichstes islamisches Land. Brasilien fordert als größtes südamerikanisches Land mehr Einfluss, Südafrika als wirtschaftsstärkstes afrikanisches Land.

Wenn sich die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre fortsetzt, dann werden die kommenden zehn Jahre die Weltordnung noch deutlicher verändern - und die Schwellenländer viel mehr zu sagen haben als bisher. [...]

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IEA-Chefökonom: "Peak Oil" kommt 2020

Friday, December 11. 2009
Der Begriff “Peak Oil” war bisher nur außerhalb des offiziellen Mainstream ein Thema. Kritiker der globalen Wirtschaftsverfassung monieren schon lange und recht lautstark, dass der unglaubliche Aufschwung der westlichen Industriestaaten (zu dessen Kernelementen die Motorisierung der Massen gehört) in den letzten hundert Jahren vor allem auf der Ausbeutung von Erdölreserven basiert, die zwangsläufig endlich sind. [...]

So plausibel derartige Befürchtungen auch sind, so sehr wurden sie von den offiziellen Institutionen bisher aber ignoriert und in den Bereich der Verschwörungstheorien verwiesen (Spielt die Internationale Energieagentur “Peak Oil” herunter?). Jetzt hat laut Economist aber auch Fatih Birol, der Chefökonmom der IEA, der meistrespektierten internationalen Agentur für Energiefragen, das Maximum der “konventionellen Erdölproduktion” mit 2020 angegeben, was fast so etwas wie einen Paradigmenwechsel darstellt.

Sollten die Klimaschutzmaßnahmen nicht zu einem weltweiten Abgehen von der Ölwirtschaft führen, hätte „Peak Oil“ jedenfalls dramatische Folgen für den Ölpreis und die Weltkonjunktur, ganz zu schweigen davon, dass auch die gesamte Kunststoffchemie weitgehend vom Rohöl abhängt.

Das globale Produktionssystem innerhalb von zehn Jahren auf “Peak Oil” einzustellen, dürfte massive Anstrengungen verlangen, die global koordiniert werden müssten. Insofern dürfte die Warnung der IEA nicht ganz zufällig während des laufenden Klimagipfels erfolgt sein

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Exporte und Dollarkurs: Drückende Last

Wednesday, December 9. 2009
Die US-Währung verliert seit Jahren an Wert, die deutsche Industrie zieht die Notbremse: Sie verlagert Produktion und Arbeitsplätze in den Dollar-Raum. [...]

Der Kurs der amerikanischen Währung macht der gesamten deutschen Exportwirtschaft schwer zu schaffen. Neben der Autoindustrie können auch Airbus, ThyssenKrupp und die Maschinenbauer ihre Produkte immer schlechter in den USA verkaufen. Sie können die Preise nicht erhöhen, um den Kursverlust auszugleichen. Ihre Waren wären dann zu teuer. Sie können die Preise aber auch nicht beibehalten. Sie würden dann mit Verlusten verkaufen.

Lange Zeit versuchten die Unternehmen, sich mit Kurssicherungsgeschäften vor dem Fall der US-Währung zu schützen. Dabei sichern sie sich für eine Gebühr ein garantiertes Umtauschverhältnis zwischen Dollar und Euro. Diese Verträge laufen meist ein oder zwei Jahre. Sie helfen bei einem kurzfristigen Einbruch der Währung. Gegen einen dauerhaften Absturz aber schützen die Devisengeschäfte nicht. Deshalb bietet sich deutschen Autoherstellern, Stahlkonzernen oder Maschinenbauern nur ein Ausweg: Sie verlagern Teile ihrer Fertigung in den Dollar-Raum. [...]

Das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaftskraft ist nachhaltig gestört angesichts zweistelliger Arbeitslosenraten, eines angeschlagenen Bankensektors und einer sprunghaft wachsenden Staatsverschuldung. Da ist es nur folgerichtig, dass der Dollar abstürzt. Der Wert einer Währung spiegelt stets auch die Stärke - oder Schwäche - seiner Volkswirtschaft wider.

Zugleich aber ist der Verfall des Dollar auch Folge eines Anpassungsprozesses, den die Weltwirtschaft gerade durchläuft: Das alte symbiotische System - Amerika konsumiert, Fernost finanziert - ist seit der Finanzkrise erschüttert. Die globale Wirtschaft drängt in ein neues Gleichgewicht und nutzt dafür die Wechselkurse als Hebel. [...]

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Google will die Weltherrschaft

Tuesday, December 8. 2009
Googles neue Ankündigungen vervollständigen ein beunruhigendes Puzzle: Der Konzern überzieht den Globus mit einem unsichtbaren Netz aus Informationen, das schnell unverzichtbar werden wird. Der Eintrittspreis ist die totale Überwachbarkeit. [...] Google-Chef Eric Schmidt am Montagabend [...]: “Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.” Wer aber “wirklich diese Art von Privatsphäre” brauche, müsse sich nicht über Suchmaschinen wie Google Sorgen machen, die solche Daten selbstverständlich speicherten. Sondern über die US-Behörden. [...]

Dieses Weltbild - “wer nichts zu verbergen hat, braucht sich doch keine Sorgen zu machen”, kennt man aus totalitären Staaten. Dass es nun vom Chef des größten Datensammlers der Menschheitsgeschichte öffentlich vertreten wird, ist besorgniserregend. Zumal Schmidt den Satz in einer Phase der Google-Geschichte sagt, in der sein Unternehmen in bislang unbekanntem Tempo Innovation auf Innovation präsentiert: Google ist dabei, sich für die Zukunft absolut unentbehrlich zu machen, auch weit weg vom PC. Der Preis, den man für die stets kostenlosen und so unheimlich nützlichen Dienste des Unternehmens zahlen muss, ist aber spätestens jetzt klar: Wir alle sollen uns vom bürgerlichen Konzept der Privatsphäre verabschieden.

Die Puzzleteile der Google-Strategie fielen in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren immer schneller an die ihnen zugedachten Plätze.

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