Ein Schauspiel der Ohnmacht

Sunday, March 7. 2010
Die Hauptverursacher der Krise sind gleichzeitig deren Gewinner. Den Kampf um eine Neuordnung der Finanzbranche haben Angela Merkel und ihre Kollegen gar nicht erst angetreten [...]

Die Bändigung der Finanzindustrie zugunsten der übrigen Wirtschaft genießt höchste Priorität und die Verantwortlichen tun alles, “damit sich eine solche Krise nicht wiederholt”, wie Angela Merkel versicherte.
Doch dieses Schauspiel ist zutiefst verlogen. Tatsächlich sind Merkel, Sarkozy, Obama und ihre Mitstreiter auf diesem Weg bis heute keinen Schritt vorangekommen. Der moralische Protz ihrer Versprechungen steht im umgekehrten Verhältnis zu den tatsächlich ergriffenen Maßnahmen und verstellt den Blick auf ein Politikversagen, dass eher früher als später das ganze Netz der globalisierten Wirtschaft zu zerreißen droht. [...]

Mindestens 100 Millionen Menschen haben deswegen weltweit ihre Arbeit verloren. Der wirtschaftliche Schaden ist größer, als der Gesamtwert aller in den USA produzierten Güter und Dienstleistungen eines Jahres und die Staatsverschuldung wird nun ihrerseits zur Bedrohung.

Trotzdem wurde bis heute keiner der Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Im Gegenteil: Die Hauptverursacher der Krise sind nun sogar die Gewinner und schanzen sich schon wieder zweistellige Millionengehälter zu. Und immer sichtbarer wird, dass die Fehlentwicklung der globalisierten Finanzwelt einer kleinen Clique aus den Führungsetagen von etwa 15 globalen Finanzkonzernen eine Macht in die Hände gespielt hat, die sich jeder demokratischen Kontrolle entzieht.

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Wirtschaftskrise: neue Runde?

Friday, March 5. 2010
zum Jahreswechsel bestand noch viel Grund zur Fröhlichkeit. Die Krise schien sich in Wohlgefallen aufzulösen. Das Wachstum war zurückgekehrt. Angeführt von den USA, deren Wirtschaft im vierten Quartal 2009 aufs Jahr gerechnet um fast sechs Prozent zulegte, ging es den Industrieländern besser als erwartet. Und von Brasilien bis Indien boomten die Schwellenländer samt ihrer Börsen.

In Wahrheit tut diese Krise jedoch nur, was man schon von ihr kennt: Sie zeigt neue Gesichter. Mit Griechenland ist nicht bloß ein EU-Staat vom Bankrott bedroht, auch die gemeinsame europäische Währung steht unter Druck – was übrigens erklärt, warum der Dollarkurs auf einmal steigt. [...]

Das Ende kennt niemand, doch auf Jahre hinaus müssen wir mit zwei großen Risiken leben. Nummer eins: Den Staaten geht der Atem zu früh aus, der Aufschwung bricht ab, und der Westen versinkt so wie einst Japan in der großen Stagnation. Nummer zwei: Die Staaten halten durch, die große Geldmaschine läuft wieder an, und weil die Notenbanken nicht rechtzeitig gegensteuern, kommt es zu einer gewaltigen Inflation. [...]

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Die Gesundheitskostenbombe tickt

Saturday, February 27. 2010
Eine geheim gehaltene Studie bringt brisante Details zu den Kosten und der Sicherheit des privaten Krankenkassensystems zum Vorschein. Für die Kopfpauschale ist dies wohl das sichere Aus
Es gibt Briefe, die hätte man am liebsten gar nicht erst geöffnet. Für Rainer Brüderle zählt sicherlich ein Brief des Institutes für Gesundheits- und Sozialversicherung (IGES) zu dieser Kategorie. Sein Vorvorgänger Michael Glos hatte die Berliner Sozialforscher mit einer Studie beauftragt, die die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Kosten und Beiträge des privaten Krankenversicherungssystems erforschen sollte. Was die Forscher unter Federführung des Wirtschaftsweisen Bert Rürup herausfanden, bedeutet für Brüderle und seine Partei jedoch nichts Gutes. Kein Wunder, dass Brüderle die Studie in seinem Giftschrank verwahrt – nun ist sie aber dank eines Whistleblowers über Wikileaks ans Licht der Öffentlichkeit geraten.

Die privaten Krankenversicherungen (PKV) sind nur ungenügend auf den demographischen Wandel vorbereitet und laufen mit offenen Augen in die Kostenkatastrophe, die nur über massive Beitragssteigerungen halbwegs kontrolliert werden könnte. Ein solches Szenario wäre jedoch das Ende für das Kopfpauschalenmodell der FDP. Wer würde noch zur PKV wechseln, wenn dort die Beiträge signifikant höher wären als in der GKV? Schlechte Nachrichten für Philipp Rösler, der nun vor einem gesundheitspolitischen Scherbenhaufen steht. [...]

Gelingt es den Kassen nicht, junge Versicherte zu ködern, die einen Überschuss erwirtschaften, rutscht der Überschuss der 40- bis 50jährigen Männer bereits in 15 Jahren in den massiv-defizitären Bereich. Kaum auszudenken, was passiert, wenn die Versicherten in 30 Jahren in den höchsten Kostensektor kommen. Die IGES-Forscher gehen davon aus, dass sich die Gesundheitskosten inflationsbereinigt in den nächsten 20 Jahren um rund 25% erhöhen werden. [...]

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Asien koppelt sich von der alten Welt ab

Thursday, February 25. 2010
Während hierzulande und auch jenseits des Atlantiks – von der EU-Peripherie gar nicht zu reden – die Wirtschaft vor sich hin kriecht und nicht so recht aus dem tiefen Konjunkturtal herauskommen will, kommen aus Japan, dem Land, das zwei Jahrzehnte im ökonomischen Tiefschlaf verbrachte, erstaunliche Nachrichten: Im zweiten Monat in Folge sind die Exporte gewachsen, nachdem es zuvor 15 Monate nur bergab ging. Im Dezember gab es ein Plus von 12 Prozent und im Januar gar eines von 40,9 Prozent, beide Angaben im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat.

Besonders die Exporte in die benachbarten asiatischen Länder haben zugelegt, und zwar um zwei Drittel. “Die boomende Nachfrage in Asien unterstützt weiter die Erholung der japanischen Exporte”, zitiert Business Week den japanischen Ökonomen Hideki Matsumura. Die Zeitung weist allerdings auch darauf hin, dass die Erholung immer noch auf wackeligen Füßen steht. Schwache Inlandsnachfrage, Deflationstendenzen und ein starker Yen bedrohten sie. Dass die Warnungen nicht unbegründet sind, zeigte die Entwicklung an der Tokyoter Börse am Donnerstag, wo die Kurse trotz der guten Nachrichten absackten. Insbesondere die Titel von Exporteuren verloren, weil die Börsianer durch einen hohen Yen-Kurs verunsichert waren.

Interessant an der Entwicklung ist jedoch, dass Asien sich zunehmend von Europa und Nordamerika abzukoppeln zu scheint. Nicht dass Beziehungen abgebrochen oder vernachlässigt würden, aber der innerasiatische Handel hat für viele Länder inzwischen eine größere Bedeutung als der Warenaustausch mit den alten Zentren der Weltwirtschaft. Das war vor zehn Jahren noch ganz anders. China ist zum Beispiel 2009 zum wichtigsten Handelspartner Japans aufgestiegen. [...]

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Meinungsfreiheit: Im Zweifel für den Populisten

Thursday, February 18. 2010
Von Henryk M. Broder. Für manche ist er ein Freiheitskämpfer, für andere ein Hassprediger: Geert Wilders steht in den Niederlanden wegen Volksverhetzung vor Gericht. Ein peinlicher Prozess, der die zentrale Frage unbeantwortet lässt: Warum sollte eine demokratische Gesellschaft eine Meinung bestrafen?

[...] Seit dem 20. Januar muss sich der Abgeordnete Wilders wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Hass vor Gericht verantworten, das Parlament hat seine Immunität aufgehoben. Schon vor dem ersten Prozesstag haben die Medien ihr Urteil gesprochen: schuldig im Sinne der Anklage. [...]

Wilders, so steht es in der Anklageschrift, habe eine Gruppe von Menschen diskriminiert, eine Religion beschimpft und zum Hass aufgerufen. Wenn er sich allerdings darauf beschränkt hätte, seine islamkritischen Ansichten im Parlament zu verbreiten, hätte er dies im Schutze seiner Immunität tun dürfen. Weil er es aber auch außerhalb des Hohen Hauses tat, zum Beispiel in einem Brief an die sozialdemokratische Tageszeitung “Volkskrant”, in dem er den Koran mit Hitlers “Mein Kampf” verglich, und weil er sich auch sonst keine Zurückhaltung auferlegt, wenn er über den Islam und seine Anhänger redet, wurde er wegen Volksverhetzung angezeigt.

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Deep Search - Politik des Suchens jenseits von Google

Monday, February 15. 2010
Der Wiener Internetaktivist Konrad Becker kritisiert im Interview mit WELT ONLINE die Suche von Google. Es geht um das Erlangen eines Nutzerprofils. Manche Verknüpfungen von Daten sind für ihn hochproblematisch. Auch hat er Zweifel, ob Apple der wahre Freund der Kulturschaffenden ist [...]

WELT ONLINE: Sie haben ein Buch mit dem Titel „Deep Search“ herausgegeben. Untertitel: „Politik des Suchens jenseits von Google“. Kann es ein User-Leben ohne Google geben?

Becker: Google ist nur ein Symptom der Sehnsucht, des Bedürfnisses und auch der politischen und wirtschaftlichen Notwendigkeit, Daten zu ordnen.

WELT ONLINE: Google ordnet seine Antworten nach dem Page-Rank-Prinzip. Als bestes Suchergebnis gilt die Seite, auf die am häufigsten verlinkt wird. Ist das eine sinnvolle Art von Wissensorganisation?

Becker: Sie ist nicht nur nicht notwendigerweise sinnvoll, sie ist sogar sehr problematisch. Informationslandschaften sind reich, wenn sie über Vielfalt, sozusagen über Biodiversität verfügen. Das Page-Rank-Prinzip aber nimmt dem Aufmerksamkeitsarmen und gibt dem Aufmerksamkeitsreichen. Das führt zu einer Verarmung. Es kommt zu Schleifenbildungen. Ein Phänomen, das die Folksonomien noch verstärken. [...]

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Gefährliches GMail: So bringen Sie Buzz Manieren bei

Friday, February 12. 2010
Googles Gegenangebot zu Facebook und Twitter geht forsch mit den Daten der Nutzer um: Ein Klick und das Web sieht, wem man besonders häufig E-Mails schreibt. Die Schalter zum Deaktivieren sind gut versteckt [...]

Das ist eine riskante Mischung: Um vom Start weg eine kritische Masse an Nutzern für seinen Twitter-Konkurrenzdienst Buzz zu haben, baut Google das Postfach seiner Kunden ungefragt zur Schaltzentrale für das neue soziale Netzwerk aus.
Riskant ist das, weil E-Mails eine ganz andere Kommunikationsform sind als das öffentliche Geschnatter via Facebook oder Twitter. Buzz weist jedem E-Mail-Nutzer automatisch ein paar Buzz-Kontakte zu, basierend darauf, mit wem man besonders viele E-Mails austauscht. Wer da unvorsichtig auf den falschen Link klickt, teilt der Welt mit, wem er in letzter Zeit besonders viele Nachrichten geschickt hat. [...]

Ein Angestellter steht im regen Mail-Verkehr mit einem Kollegen von einer Konkurrenzfirma? Klack, der Chef sieht’s womöglich im Buzz-Profil. Seine Freundin schreibt fleißig an einen Ex - klack, schon merkt er auch das. Wie man diese freizügigen Einstellungen zurücksetzt, finden auch Experten nicht so leicht heraus - Google hat die entsprechenden Optionen recht gut versteckt. [...]

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Facebook sammelt Emailadressen

Wednesday, February 10. 2010
Gegen Freunde ist man machtlos: Soziale Netze kennen sogar Kontakte und Mail-Adressen von Menschen, die auf ihre Privatsphäre achten und selbst gar kein Mitglied bei Facebook & Co. sind.

Facebook verbindet Menschen. Damit das gut klappt, schlägt das Netzwerk seinen Mitgliedern gern andere Facebook-Nutzer vor, verbunden mit der Aufforderung: “Füge Personen, die du kennst, als Freunde hinzu.” Manchmal wundert man sich ein wenig, woher Facebook nun schon wieder weiß, dass man mit Sabine Mustermann bekannt ist, nur weil man mit ihr vor zwanzig Jahren im gleichen Hockeyverein gespielt hat. Noch mehr dürften sich darüber aber Menschen wundern, die Facebook niemals beigetreten sind. Denn auch sie erhalten unter Umständen von Mitgliedern eine Einladung, sich doch endlich Facebook anzuschließen. Auch in diesen Mails: Ein Hinweis, wer außer dem einladenden Bekannten noch so alles im Netz auf sie wartet. [...]

Das Netzwerk sammelt E-Mail-Adressen auf zweierlei Weise. Zum einen bietet Facebook registrierten Mitgliedern an, ihre Freunde zu finden, indem sie die Facebook-Software namens Freundefinder durch die eigenen E-Mail-Kontakte schauen lassen. Dazu muss das Mitglied nur seine Mail-Adresse und das dazugehörige Passwort eintippen. Dann findet Facebook nicht nur all jene Menschen, denen man jemals im Leben von diesem Postfach eine Email geschrieben hat und die sich mit der E-Mail-Adresse auch bei Facebook registriert haben. Facebook schlägt auch vor, all diejenigen einzuladen, die noch nicht registriert sind.

Natürlich beeilt sich Facebook mit der Versicherung, das E-Mail-Passwort werde nicht gespeichert. Aber das Passwort ist auch gar nicht das Problem. Was man erst nach dem Klick auf zwei “Mehr dazu”-Fenster erfährt: Die E-Mail-Adressen, die so hochgeladen werden, werden verwendet, “um dir dabei zu helfen, mit deinen Freunden in Verbindung zu treten. Zudem verwendet Facebook diese Informationen, um dir und deinen Kontakten auf Facebook Nutzer und Seiten vorzuschlagen”. Das heißt: Facebook hat danach jede E-Mail-Adresse aus dem Mail-Programm bei sich gespeichert. [...]

Na, wenn das kein Anlass ist, sich sofort selbst bei Facebook anzumelden. Um die Fotos, die andere einem dort eingestellt haben, ganz schnell wieder zu löschen. Schließlich kann man auf Facebook sogar Personen auf Fotos markieren, die dort gar nicht angemeldet sind, mit vollem Namen. Und wer angemeldet ist, bekommt das wenigstens mit. [...]

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IT-Forscher enttarnen Internetsurfer

Tuesday, February 2. 2010
Anonym surfen im Web? Das war einmal. IT-Forschern ist es nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen gelungen, Internetsurfer mit einem einfachen Trick namentlich zu identifizieren. Von der Sicherheitslücke sind Millionen Teilnehmer sozialer Netzwerke betroffen - es droht ein Datenschutz-GAU.

Es ist ein Horrorszenario für Datenschützer, was Thorsten Holz, Gilbert Wondracek, Engin Kirda und Christopher Kruegel in ihrem 15-seitigen Aufsatz beschreiben (PDF-Datei hier, 803 KB): Die Experten vom Isec-Forschungslabor für IT-Sicherheit, einer Kooperation der Technischen Universität Wien, dem Institute Eurécom und der University of California, dokumentieren einen technisch eher simplen Angriff, der eine seit zehn Jahren bekannte Sicherheitslücke ausnutzt. Betroffen sind alle Mitglieder von sozialen Netzwerken, die sich Netzwerk-Gruppen angeschlossen haben.
Was viele Menschen nicht wissen: Die jeweiligen Gruppenmitgliedschaften ergeben ein einzigartiges Profil, das Angreifer wie einen Fingerabdruck aus dem Browser ablesen können: “In einem sozialen Netzwerk gibt es eben nur sehr wenige Menschen, die in denselben Gruppen eingetragen sind”, erklären Holz und Wondracek im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. “Bei Xing sind 1,8 Millionen Mitglieder in etwa 6500 öffentlichen Gruppen organisiert. Über 750.000 davon haben eine einzigartige Gruppenkonstellation, einen eindeutigen Fingerabdruck.”

Wenn eine präparierte Website ihren Besuchern diesen Fingerabdruck abnehmen und mit einer Kartei aller Nutzer eines Netzwerks vergleichen kann, ist der anonyme Websurfer enttarnt.

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China und die Kunst des Wirtschaftskrieges

Monday, January 25. 2010
Mithin drängt sich der Eindruck auf, als ob man sich in Peking noch immer von den alten chinesischen Militärklassikern inspirieren ließe. Jene Werke von Tai Kung, Wei Liao Tzu und Sun Tzu, die vor hunderten von Jahren geschrieben wurden, bestechen dadurch, dass sie den Gegner eher durch Flexibilität, Schnelligkeit, Agententätigkeit und einem Minimum an offenem Kampf zu besiegen trachten. Statt sich durch ein großes Militäraufgebot wie das der USA beispielsweise in Afghanistan zu binden, nutzt China seine Beweglichkeit, und macht damit aus der Schwäche eine Tugend. [...]

Chinas Antwort ist, dass es den USA die offenen, blutigen Konflikte überlässt; es selber verlagert sich auf die wirtschaftliche Kriegsführung in deren Windschatten. Dabei nutzt es aus, dass sich die USA mit ihrem globalen „Krieg gegen den Terror“ allseits unbeliebt machen. Im Fokus der chinesischen Handlungen steht die Strategie, sich vor allem dort gut Freund zu machen, wo es um Öl geht. Da der amerikanischen „Krieg gegen den Terror“ im Großen und Ganzen ein Öl-Krieg ist – oder jedenfalls dort stattfindet, wo das Öl nicht weit zu suchen werden braucht –, fällt beides für die Chinesen derzeit ideal in Eins. [...]

Bloomberg: “Das Land sei bestrebt, die Ölversorgung zu diversifizieren. Zugang zu Vorkommen im Nahen Osten und in Afrika werden ohne Zweifel die Energiesicherheit verbessern, sagte Jiang Xinmin, Energieexperte bei der Nationalen Kommission für Planung und Entwicklung, der obersten Planungsbehörde in Peking.” Darüber unterschreibt China langfristige Verträge im Iran, wie beispielsweise durch die China National Petroleum Company, die für 5 Milliarden US-Dollar Förderrechte im South Pars-Erdgasfeld erwarb. [...]

Michael Wines stellt für die New York Times diesbezüglich fest: “While the United States spends hundreds of billions of dollars fighting the Taliban and Al Qaeda here, China is securing raw material for its voracious economy. The world’s superpower is focused on security. Its fastest rising competitor concentrates on commerce.” [...]
Bill Murphy, Vorsitzender des Gold Anti-Trust Action Committee, schätzte das chinesische Engagement auf dem Goldmarkt wie folgt ein, als er von MMNews dazu befragt wurde: “According to my sources, China will be in the market for years to come and will be buying in size and as quietly as possible.” [...]

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In China bahnt sich ein gewaltiger Crash an

Friday, January 22. 2010
Die Chinesen prahlen mit ihrem Wirtschaftswachstum, Funktionäre erklären die Finanzkrise für beendet. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass China den Höhepunkt einer Spekulationsmanie erreicht hat – und eine Bruchlandung erlebt. Falls das passiert, wird das Riesenreich den Rest der Welt mit nach unten reißen. [...]

Wie Dubai vor zwei Jahren, erreicht China heute den Höhepunkt einer Spekulationsmanie. Auf den ersten Blick gibt es nicht viel, das einen winzigen Stadtstaat mit einem Reich von der Größe eines Kontinents verbindet. Doch beide leiden unter derselben Über-Dehnung.

Das auf Exporten basierende Wirtschaftsmodell Chinas zeitigte in der Ära nach dem Ende des Kalten Krieges ein spektakuläres Wachstum. Es war die Ära der nicht enden wollenden Globalisierung und der ökonomischen Entwicklung. Jetzt aber stagniert der Welthandel, nachdem er vergangenes Jahr abgestürzt ist. Die chinesischen Ausfuhren sind 2009 um 16 Prozent eingebrochen, und es besteht wenig Aussicht, dass sich der Export dieses Jahr nachhaltig erholt. [...]

Chinas Spitzenfunktionäre, die an den Schalthebeln einer staatlich gelenkten Wirtschaft sitzen, waren für ihre Fähigkeit bekannt, Probleme zu vertagen. Aber die Probleme, vor denen sie stehen, sind mit der Zeit immer größer geworden. Der Grund dafür ist, dass die Regierung alles auf die Karte Wachstum gesetzt hat statt den Strukturwandel voranzubringen. Sobald diese Wachstumspolitik nicht mehr greift – und das wird bald der Fall sein – wird China zum nächsten Dubai werden. Nur viel größer.

Quelle: 2010 Global Viewpoint Network/Tribune Media Services
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Deutschlands Bevölkerung schrumpft in der EU am stärksten

Wednesday, January 20. 2010
17 Prozent der EU-Bevölkerung sind derzeit von Armut bedroht. Besonders betrifft das Kinder und Ältere. Aufgefächert nach Ländern ist das Bild uneinheitlich. Die meisten von Armut bedrohten Menschen gibt es in Lettland, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Spanien und Litauen, am wenigsten in Tschechien, den Niederlanden, der Slowakei, Dänemark, Österreich, Slowenien und Schweden.

Die Arbeitslosenrate liegt in der EU bei 9,5 Prozent, in der EU-Zone bei 10 Prozent. Die Niederlande und Österreich haben am wenigstens Arbeitslose, Lettland und Spanien mit 22 bzw. 19 Prozent am meisten. Noch liegt die Inflationsrate bei 0,9 Prozent, das kann sich aber schnell ändern. In Großbritannien ist sie gerade schon auf 2,9 Prozent gestiegen. Das wird das Leben nicht leichter machen und langfristig für Unruhe sorgen. [...]

Deutschland kann europaweit immerhin für einen Rekord sorgen. Die Zahl der Gebiete, in denen die Bevölkerung zwischen 2008 und 2030 schrumpfen wird, ist hier am höchsten. Während in vielen Ländern die Bevölkerung wachsen wird, geht man davon aus, dass sie in Deutschland als einzigem westeuropäischen Land neben Estland, Lettland, Litauen sowie in weiten Teilen von Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Polend und der Slowakei schrumpfen wird. Besonders stark ist mit 20 Prozent der bis 2030 erwartete Bevölkerungsschwund von 20 Prozent in Chemnitz, Sachsen-Anhalt, Dresden und Thüringen. Allerdings basieren die Zahlen nicht auf neusten Daten, vor allem stammen sie aus der Zeit vor der Finanzkrise. [...]

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Im Google-Wahn

Monday, January 18. 2010
Der Internetgigant kennt bald jeden unserer Schritte. Es ist Zeit, dass die demokratische Gesellschaft sich wehrt.

Wie lange braucht ein neues Thema, um in der Politik anzukommen? Offenbar deutlich länger, als es dauert, alle Leute mit Breitband-Internetanschlüssen zu versorgen. Die Welt hat in den vergangenen 15 Jahren eine informationstechnische Revolution erlebt – und Deutschland diskutierte über ein paar Verbotsschilder für kinderpornografische Internetseiten, als sei dies kriegsentscheidend für die Zukunft der vernetzten Gesellschaft. Nun kommt das internetfähige Google-Handy Nexus One auf den Markt. Wie mit nahezu jedem modernen Handy kann man auch mit diesem Fotos machen – nur hat das Nexus ein Programm, das diese Fotos per Internet gleich zu identifizieren vermag. Bald wird so jeder Fremde im Café erkennbar sein – wenn es irgendwo im Netz ein Bild von ihm gibt. Das stellt unseren Begriff von Privatsphäre radikal infrage. Doch von einer vorausschauenden politischen Debatte ist wieder nichts zu spüren.

Die aber wird dringend gebraucht. Es geht um Monopolansprüche auf die Ressourcen der Wissensgesellschaft. Es geht um Überwachung – durch Privatunternehmen und Mitbürger. Es geht um personalisierte Werbung, die den Kunden umzingelt. Und es geht um die Bereitschaft vieler Menschen, die Verantwortung für ihre Entscheidungen an Computerprogramme abzugeben.

Mit seiner genialen Suchmaschinenidee hat Google die Informationsbeschaffung revolutioniert. Das neue Handy trägt nun die Netzanbindung vom Schreibtisch hinaus in die Wirklichkeit: Wer will, kann künftig überall total online sein. Das Bilderkennungsprogramm mit dem Namen Goggles erläutert dem Nutzer historische Bauwerke, das Handy findet den Weg zum Bahnhof und sucht das netteste Restaurant in der Nähe aus. Goggles kann bereits heute Gesichter erkennen [...]

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Ein Klecks im Vergleich zu den Kriegsausgaben

Friday, January 15. 2010
Die Welt kann, wenn sie will, selbst in Zeiten der Finanzkrise. Sie kann eine vereinte Rettungsaktion starten, zumindest versucht sie es. Geld spielt plötzlich keine Rolle mehr. Fast keine. Die ganz großen Nummern der Weltpolitik sind nach wie vor unendlich viel teurer:

Der Krieg im Irak kostet im Monat noch immer ungefähr zwölf Milliarden Dollar, der Krieg in Afghanistan 3,5 Milliarden.

Daran erinnerte erst vor kurzem der Chef der UN-Mission in Haiti, der Tunesier Hédi Annabi, der nun in den Trümmern seines Büros starb. Die Kriegsausgaben für einen einzigen Monat würden genügen, um Haiti nachhaltig zu helfen, hatte er gesagt - und um mehr Sponsoren, Spender und Investoren geworben. [...]

Barack Obama verspricht [...für Haiti...] 100 Millionen Dollar.

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Haiti: Eigennützige Hilfe

Friday, January 15. 2010
Hinter der Solidarität mit Haiti steckt auch regionaler Machtpoker: Die USA, Venezuela und Brasilien kämpfen hart um die Führung in Lateinamerika. [...]

Haiti ist bis heute ein überaus korrupter Beutestaat, in dem sich rivalisierende Clans um Macht und Pfründe reißen. Die Entwicklungshilfe ist eine davon. Das Beben hat nun die letzten Reste des Staatsapparats zerstört und das Land vollständig abhängig gemacht von ausländischer Hilfe. Das wissen auch die Nachbarländer, allen voran die USA. Die Katastrophenhilfe genieße absolute Priorität für seine Regierung, verkündete Präsident Barack Obama. [...]

Die USA haben ein geostrategisches Interesse an Haiti. Das Land befindet sich knapp tausend Kilometer von Miami entfernt, rund eine Million Haitianer leben in den USA. Der völlige politische und ökonomische Kollaps und die Bebenkatastrophe könnten eine neue gewaltige Flüchtlingswelle auslösen, sorgt sich die Regierung in Washington, die im eigenen Land noch mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu kämpfen hat.

Außerdem ist Haiti ein Drehkreuz für den Drogenschmuggel – und ein weiteres Puzzlestück im regionalen Machtpoker um den Einfluss in Lateinamerika. Auch der Gegner hat bereits Zeichen gesetzt: Das erste Flugzeug, das nach der Katastrophe in Port-au-Prince landete, kam aus Venezuela. Der dortige Machthaber Hugo Chavez, Obamas linker Rivale, will die Nase vorn haben im bizarren Wettlauf um die Solidarität. [...]

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