Wirtschaftskrise: neue Runde?

zum Jahreswechsel bestand noch viel Grund zur Fröhlichkeit. Die Krise schien sich in Wohlgefallen aufzulösen. Das Wachstum war zurückgekehrt. Angeführt von den USA, deren Wirtschaft im vierten Quartal 2009 aufs Jahr gerechnet um fast sechs Prozent zulegte, ging es den Industrieländern besser als erwartet. Und von Brasilien bis Indien boomten die Schwellenländer samt ihrer Börsen.

In Wahrheit tut diese Krise jedoch nur, was man schon von ihr kennt: Sie zeigt neue Gesichter. Mit Griechenland ist nicht bloß ein EU-Staat vom Bankrott bedroht, auch die gemeinsame europäische Währung steht unter Druck – was übrigens erklärt, warum der Dollarkurs auf einmal steigt. [...]

Das Ende kennt niemand, doch auf Jahre hinaus müssen wir mit zwei großen Risiken leben. Nummer eins: Den Staaten geht der Atem zu früh aus, der Aufschwung bricht ab, und der Westen versinkt so wie einst Japan in der großen Stagnation. Nummer zwei: Die Staaten halten durch, die große Geldmaschine läuft wieder an, und weil die Notenbanken nicht rechtzeitig gegensteuern, kommt es zu einer gewaltigen Inflation. [...] Das Problem dabei: Alle Erfahrung zeigt, dass es sehr schwer ist, die Schulden allein durch Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in den Griff zu bekommen. Eine hastige Sparpolitik kann sich bei dem Unterfangen sogar als kontraproduktiv erweisen, wenn die Konjunktur gebremst wird. Dann leiden übrigens auch Exportländer wie Deutschland. Wenn Griechen, Amerikaner, Briten und Spanier gleichzeitig sparen, fehlt hierzulande die Nachfrage. [...]

Die Welt investiert zu wenig. Insgesamt nehmen die privaten Firmen in den Industriestaaten derzeit gut sieben Prozent mehr ein, als sie wieder ausgeben. Die Wirtschaft hortet Kapital oder löst Schulden auf, um von dem riesigen Berg an Ausständen herunterzukommen. In den USA etwa hatten die Privaten im Boom Schulden aufgenommen wie nie zuvor.

Das alles ist nicht gerade der Stoff, aus dem ein sich selbst tragender Aufschwung gemacht ist. Und gerade deshalb gilt: Stützten die Staaten die Konjunktur nicht massiv, wären wir längst in der Depression gelandet. Tatsächlich gibt es aber gute Gründe für Unternehmen, gerade in der Krise massiv zu investieren.

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