Die unbequeme Wahrheit des endlichen Öls

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat eine unbequeme Wahrheit ins Gedächtnis zurückgerufen: Die Ölreserven der Welt sind endlich und werden eines Tages zur Neige gehen. In Deutschland hat seit der Explosion der BP-Ölplattform kein Politiker der ersten Reihe den Tabu-Begriff Peak Oil in den Mund genommen. Peak Oil bedeutet, dass das globale Fördermaximum überschritten ist und die Förderung damit aufwendiger und teurer wird und die Umwelt noch stärker belastet. Im Falle BPs scheint die einheimische Politik zu denken: Es ist ja nicht unser Öl, das da in den Golf sprudelt!

Doch die schöne Illusion, wir in Europa hätten mit dem Golf-Desaster nichts zu tun, könnte sich bald als Irrtum herausstellen. Den Weltölmarkt kann man sich wie ein großes Fass Öl vorstellen, in das alle Förderquellen hineinpumpen und aus dem alle Verbraucherländer ihren Bedarf abzapfen. Wenn nun die Ölförderung der USA wegen der allzu berechtigten Bedenken gegen immer tiefere Ölbohrungen im Meer nicht weiter zunehmen, sondern abnehmen wird, weil die vorhandenen Quellen ihr Fördermaximum überschritten haben, dann wird der Effekt auch in Deutschland an den Zapfsäulen der Tankstellen ablesbar sein. [...]

Auch die globale Finanzkrise deutet auf das Nahen von Peak Oil hin. Während die Ökonomen noch zu verstehen versuchen, warum das aus ihrer Sicht völlig rational funktionierende Weltfinanzsystem an den Rand des Kollapses geraten konnte, und dabei einige axiomatische Grundlagen ihrer Disziplin infrage stellen, gehen nur wenige so weit, den drastischen Ölpreisanstieg im Jahr zuvor dafür verantwortlich zu machen. [...] Sobald die Weltwirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, und das sollen ja die Konjunkturprogramme aller Regierungen bewirken, ist mit einem erneuten Anstieg der Ölpreise zu rechnen, zumal auch die eigentlich notwendigen Investitionen in Exploration und Erschließung neuer Ölfelder von der Rezession in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Möglicherweise wird es keine markante Spitze (Peak) bei der Ölförderung geben, sondern eher ein welliges Plateau, auf dem die weltwirtschaftliche Konjunktur mit mehrfachen Einbrüchen und Wiederbelebungen den Ölpreis abwechselnd nach oben treiben und wieder absacken lassen wird. In der Phase wird auch die Debatte um Peak Oil anhalten, bis dann in zehn oder zwanzig Jahren die nicht mehr zu leugnenden geologischen Tatsachen den blinden Glauben an grenzenloses Wachstum erschüttern werden. [...]

Jetzt wird allenthalben auf eine Green Economy gesetzt, so, als müsse man nur ganz fest daran glauben, dass die Forscher und Ingenieure weltweit genau zum richtigen Zeitpunkt alternative Energien zur Marktreife bringen werden, die ähnlich fungibel sind wie Erdöl, damit die Menschen in den alten Industrieländern nicht Abschied von ihren gewohnten Lebensformen nehmen und die Mittelschichten in den neuen Industrieländern nicht ihre Hoffnung auf vergleichbaren Wohlstand begraben müssen. Doch beim Übergang von der fossilen Industriegesellschaft zu einer nach-fossilen oder solaren Industriegesellschaft wird es Friktionen und Konflikte geben, vielleicht sogar eine längere Übergangsphase, in der die radikalen Strukturbrüche von langwierigen weltwirtschaftlichen Krisen begleitet werden, bevor sich das neue Zeitalter Bahn bricht. [...]

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